BVB-Attentat: Zweiter Verhandlungstag | Angeklagter entschuldigt sich

Veröffentlicht am 9. Januar 2018

Der zweite Verhandlungstag am 8. Januar versammelt 20 Journalisten und zwölf Zuschauer im Verhandlungsraum. Sergej W. wird sich heute zur Tat äußern.

Entschuldigung des Täters

Der Täter persönlich beginnt mit seinem Geständnis und entschuldigt sich. Sein Plan sei gewesen, dass das Champions-League-Spiel durch seinen Anschlag nicht stattfinden kann und dadurch der Kurs der BVB-Aktie sinken sollte. An den zu erwartenden Kursverlusten wollte er partizipieren. Er wollte niemanden verletzen und hat die Bombe auch so gebaut, dass niemand hätte zu Schaden kommen sollen. Die weitere Erklärung zur Anklage wird durch den Rechtsanwalt Carl Heydenreich gegeben.

Er erklärt, dass Sergei W., der durch Kredite in Höhe von 40.000 Euro verschuldet sei, keinen Sinn mehr in seinem Leben gesehen habe, auch weil sich kurze Zeit vorher seine Freundin von ihm getrennt habe. Er habe sich außerdem immer um seine Eltern gekümmert.

Vor der Tat hat sein Mandant zweimal im Spielerhotel genächtigt hat, um so die Örtlichkeiten zu erkunden. Außerdem hat er versucht, die Tat dem IS anzulasten.

Die Bombe, die Sergej W. dann verwendete, wurde unter anderem mit einem Gemisch aus Dünger + Nitron in einem in Harz verschlossenen Gefäße gebaut. Auch der Zünder wurde selbst hergestellt. Des Weiteren gab es ein Wasserstoffperoxid-Gemisch. Alle Teile wurden zur besseren Tarnung grün eingefärbt. Die Bomben links und die rechts wurden jeweils im Abschusswinkel von 35 Grad  aufgestellt, die mittlere in einem Abschusswinkel von 70 Grad und in einem Meter Höhe. Der Angeklagte habe vermutet, dass der Bus Sicherheitsglas hat.

Anschließend beklagt sich der Rechtsanwalt darüber, dass immer noch nicht alle Verfahrensakten vorlägen und das Gericht die Staatsanwaltschaft auffordern solle, alles nachzureichen. Der Oberstaatsanwalt erwidert und verwehrt sich gegen die erneuten Vorwürfe der Verteidigung.

Aussage des übergeordneten BKA-Ermittlers

Nach einer kurzen Pause wird der erste Zeuge gehört, Ermittler Timo S. vom BKA aus Berlin. Er ist der übergeordnete Koordinator dieses Falls. Das BKA wurde aufgrund des Verdachtes, dass der IS den Anschlag durchgeführt haben könnte, durch die Generalstaatsanwaltschaft beauftragt.

Der BKA-Beamte teilt mit, dass der Bus zur Anschlagszeit circa 24 km/h gefahren ist, die Buslänge betrug 13,70 Meter. Die Sprengsätze waren auf einer Länge von zehn Metern angebracht. Die beiden äußeren lagen auf dem Boden, der mittlere wurde in einem Meter Höhe befestigt.

Mit der Explosion schlugen etwa zehn Bolzen im Bus ein, weitere in parkenden Autos und im Haus gegenüber. Am weitesten flog ein Bolzen, der in circa 250 Meter Entfernung gefunden wurde. Die Sprengkraft war also enorm und betrug circa 135 Joule. Ab 65 Joule  ist eine Sprengwirkung tödlich.

Am Tatort selbst lagen drei vermeintliche Selbstbezichtigungsschreiben des IS-Kalifen, auf DIN A4-Papier mit Schreibmaschine geschrieben. Ein viertes Schreiben muss auf einer der Bombe gewesen sein, weil Papierfetzen dazu gefunden worden sind.

Weiterhin teilt  der BKA-Beamte mit, dass am angrenzenden Wald eine Brandstelle von einer Größe circa 15 Quadratmetern entdeckt worden ist, wo unter anderem ein Fernglas mit Stativ, Konservendosen, ein Kippschalter, ein Nachtsichtgerät, Drähte für Antennen mit einer Frequenz von 433,92  Hertz weiteres verbrannt worden sind. Hier wurden durch die Beamten außerdem viele Zecken entdeckt. Spuren und DNA wurden an den verbrannten Sachen nicht festgestellt. Mantrailer-Hunde nahmen die Spur von Sergej W. vom Hotel zur Brandstelle auf.

Am Finanzmarkt wurde festgestellt, dass unter anderem 96 Optionsscheine gekauft worden sind. Diese versprachen Gewinne, wenn der Kurs des BVB fällt.

Zum konkreten Tatablauf berichtet er Zeuge zunächst, dass alle Daten zum Tagesablauf der Mannschaft des BVB waren öffentlich bekannt bzw. im Internet einsehbar, zum Beispiel, das Spielerhotel, der Mannschaftsbus und die Wegstrecke vom Hotel zum Spielort.

Der Sergej W. war für die Tage der möglichen Champions-League-Begegnungen Dortmund gegen Monaco im März 2017 im Hotel eingecheckt und hatte diese Buchung im Januar vorausbezahlt. Er äußerte den Wunsch nach einem Zimmer, das nach vorne rausgeht. Bei seiner Arbeitsstelle meldete er sich krank wegen einer Handverletzung, was nötig war, weil zu dieser Zeit eigentlich Urlaubssperre herrschte.

Nach dem Anschlag begab sich Sergej W. ins Hotelrestaurant und hielt sich dort auf. Eine Kellnerin erinnerte sich an „das Jüngelchen“. Alle waren aufgeregt, nur er wollte als einziger darüber sprechen.

Am 12. April, also am Tag nach dem Attentat, hatte eine Sergej W. als einziger im Hotel eine Massage, alle anderen Gästen hatten ihre Massagen abgesagt. Die Masseurin hatte in seinem Oberschenkel eine Zecke festgestellt, ihm das jedoch nicht mitgeteilt und die Zecke im Oberschenkel belassen. Eine weitere Zecke hatte Sergej W. selbst entdeckt und im Spa-Bereich nach einer Pinzette gefragt, um sich die Zecke aus der Schulter zu ziehen. Diese legte er auf ein Tuch und sagte der Angestellten, dass diese verbrannt werden müsste, damit sie auch wirklich tot ist.

Die Festnahme von Sergej W. erfolgte am 15. April als er an seinem Arbeitsplatz aus seinem Auto ausstieg. Man durchsuchte den Wagen, den Arbeitsplatz und die Wohnung. In der Wohnung wurden belastende Unterlagen gefunden, so beispielsweise, welche Möglichkeiten es gibt, Frequenzen zu stören oder Reichweiten festzustellen. Es wurden auch Ausspähungsunterlagen festgestellt und eine Planung befasste sich mit dem Trainingsgelände und dem Trainingszentrum des BVB. Aufgrund der Fundsachen wird angenommen, dass die Durchführung des Anschlags auch durch eine Zündauslösung mittels einer Casio- Uhr durchgeführt werden sollte. Sprengstoff haben Spürhunde im Hotel nicht festgestellt, aber in der Wohnung und im Spind auf der Arbeitsstelle. Auf dem PC des Angeklagten wurden Google-Anfragen zu möglichen Attentatszielen gefunden, auch eine Suche nach einer Seilbahn und dem Eurotunnel wurde festgestellt. Es kamen auch Einkaufslisten zutage, unter anderem über Teile für den Bau eines Auslösers. Der Angeklagte hat ebenfalls 50 Stück 12 Millimeter-Kugeln bei Conrad gekauft und außerdem eine weitere Bestellung über 190 Kugeln aufgegeben. Das fiel deswegen auf, weil das mehr als der gesamte Jahresumsatz für diesen Artikel bei Conrad ist.

Der Zeuge beschließt seine Aussage um 14:45 Uhr, wenig später endet auch der Verhandlungstag.


Bildmotiv: Anklagebank / Bildquelle: Stefan Bisanz