Bombendrohung beendet „Maskenmann“-Prozess

Veröffentlicht am 13. Mai 2014

Bildquelle: I. Rasche / pixelio.de

Mit einer Bombendrohung endet auf spektakuläre Weise der dritte Verhandlungstag im Prozess gegen den „Maskenmann“. Zuvor ergibt eine Zeugenbefragung, dass der Täter wohl über den See auf das Grundstück der Familie P. gelangte.

Auftakt zum dritten Prozesstag

Der Saal wird geöffnet, die Zuschauer strömen hinein. Neben vier Print-Journalisten ist auch ein Kamerateam dabei. Von den Prozessbeteiligten fehlt einzig das Opfer Stefan T.

Der Beschuldigte Mario K. wird in Handschließen und in Begleitung von vier Justizbeamten vorgeführt. Er macht wieder einen gepflegten und ruhigen Eindruck und wirkt – wie auch den ganzen Prozess bisher – ziemlich teilnahmslos. Bis zu dem Moment, als er das Kamerateam bemerkt. In diesem Moment ergreift er schnell einen grünen Hefter und verdeckt damit sein Gesicht. Neben dem Ordner führt er außerdem einen Laptop mit sich und erhält von seinem Anwalt einen Speicher-Stick, auf dem wohl alle Dokumente gespeichert sind.

Kurz nach der Eröffnung der Verhandlung durch das Gericht betreten die Opfer Petra P. und ihre Tochter Louisa P. etwas verspätet den Gerichtssaal. Auch heute wirkt Petra P. selbstsicher, fast schon forsch, wohingegen Louisa P. wieder bedrückt erscheint.

Brutale Gewalt

Als erster Zeuge wird nochmals ein Rettungssanitäter befragt, der sich um die medizinische Versorgung des Opfers Petra P. gekümmert hat, aber zum Tathergang keine neuen Erkenntnisse beitragen kann. Anschließend wird der Sachverständige der Rechtsmedizin, Doktor K., gehört. Er beurteilt die Verletzungen, die er unmittelbar nach der chirurgischen Versorgung von Petra P. begutachtet hat.

Der Rechtsmediziner hat sieben große Verletzungen festgestellt, zusätzlich noch Abwehrverletzungen an Händen und Armen. Er bestätigt, dass die Schläge mit einer sehr hohen Schlagintensität durchgeführt worden sind. Akute Lebensgefahr bestand für das Opfer jedoch nicht.

Während dieser Schilderung ist Mario K. wie immer absolut teilnahmslos, während Petra P. ihn intensiv mustert. Louisa P. zeigt bei den Ausführungen zu den Verletzungen ihrer Mutter teilweise einen schmerzhaften Gesichtsausdruck. Und bei der Inaugenscheinnahme der Bilder am Richtertisch bleibt Louisa P. auf ihrem Platz, während alle anderen Beteiligten nach vorne gehen.

Daraufhin werden von allen Seiten durch die Anwälte erneut Fragen gestellt, wobei es um die eventuelle Lebensgefahr für das Opfer geht, um die Anzahl der Verletzungen und um das Schlagwerkzeug.

Der Täter näherte sich über den See

Im Anschluss werden drei Zeugen gehört, die ihren Wohnsitz ebenfalls am See haben, genau gegenüber dem Haus der Familie P. Diese berichten Folgendes vom Tatabend des 22. August 2011, ab etwa 23:00 Uhr:

Alle haben ihr Schlafzimmer zur Seeseite. Daher haben sie vor dem Zubettgehen auf dem See einen schnellen Schwimmer wahrgenommen. Dieser hätte sich sehr schnell paddelnd oder rudernd fortbewegt, schneller als ein Boot. Die Zeugen vermuten, dass er auf irgendetwas gelegen hat, eventuell auf einem Surfbrett oder auf einem Untersatz mit Motor, denn sein Oberkörper schien recht weit aus dem Wasser herauszuragen. Allerdings hörte wohl niemand ein Geräusch. Weil er aber so schnell erschien und sein Umriss so kräftig wirkte, muss er – wie die Zeugen mutmaßen – sehr gut trainiert gewesen sein.

Ein Zeuge nahm an, der Schatten auf dem See wäre ein Dieb, der die Motoren der anliegenden Boote stehlen wollte. Der Zeuge rief zwar die Polizei, welche aber nicht gekommen ist.

Des Weiteren hörte ein anderer Zeuge, wie sich zehn Minuten nach der Szenerie auf dem See ein Motorrad wegbewegte.

Der Rechtsanwalt von Mario K. versucht nun – wie auch bei der Befragung des Opfers Petra P. an den ersten Prozesstagen – alle drei Zeugen durch intensive Befragung und durch Veränderung des Wortlautes und der Wortstellung zu verunsichern. Auch fragt er diese, ob sie an jenem Abend Alkohol zu sich genommen hätten. Zwei der Zeugen reagieren sehr genervt auf diese Art der Befragung und der Richter versucht seinerseits zu vermitteln.

Akute Gefahr im Gerichtssaal

Plötzlich eilt um 11:15 Uhr ein Justizbeamter schnellen Schrittes zum Richtertisch und flüstert dem Vorsitzenden ins Ohr. Daraufhin unterbricht der Richter die Sitzung und bittet die Anwesenden, aus dem Saal zu gehen, was auch umgehend geschieht. Kurze Zeit müssen alle Personen auch das Gebäude vollständig verlassen. Um 11:45 Uhr beendet der Richter vor dem Gerichtsgebäude die Hauptverhandlung endgültig.

Eine Bombendrohung, die die Justizbeamten als ernst einstufen, ist eingegangen. Eine Verhandlungsfortführung ist an diesem Tage nicht mehr möglich. Somit geht es im Gericht weiter am Donnerstag, den 15. Mai 2014, hier im Blog am 16. Mai.


Bildquelle: I. Rasche / pixelio.de