BVB-Attentat: Fünfter Verhandlungstag | Aussage des BVB-Profis Marc Bartra

Veröffentlicht am 30. Januar 2018

Am heutigen 29. Januar 2018 ist das Interesse der Öffentlichkeit besonders groß, 40 Journalisten und 20 Zuschauer befinden sich im Saal. Grund dafür sind die angekündigten Aussagen der BVB-Spieler Marc Bartra und Pierre-Emerick Aubameyang.

Befragung von Marc Bartra

Zunächst wird Marc Bartra befragt, der von seinem Anwalt und einer Dolmetscherin begleitet wird. Sein Rechtsanwalt erklärt jedoch vorab, dass sein Mandant ursprünglich nicht zum Prozess erscheinen wollte, als er erfuhr, dass auch der Täter anwesend sein sollte.

Weil dies für ihn ein echter Schock gewesen sei und der Prozess eine hohe psychische Belastung darstelle, bittet der Rechtsanwalt, ob man auf eine Befragung des Spieles verzichten und er eine schriftliche Erklärung abgeben könne. Der Verlesung stimmen alle Parteien zu, Fragen wird der Fußballprofi später dennoch beantworten.

In der nun folgenden schriftlichen Erklärung wird die Situation im Bus beim Anschlag geschildert. Es herrschte Todesangst Panik und Geschrei. Die Spieler warfen sich auf den Fußboden.

Seit dem Anschlag habe Marc Bartra Schlafprobleme und Konzentrations-schwierigkeiten. Erst habe er vier Wochen nicht trainiert und sei für sieben bis acht Spiele ausgefallen. Der Tag des Anschlages sei der schlimmste Tag in seinem Leben, er leide noch heute und habe Albträume – der Anschlag habe sein Leben verändert, denn bleibende Schäden sind bis jetzt noch vorhanden. So kann er den rechten Arm nicht ganz strecken.

Während der Verlesung sitzt der Angeklagte ruhig auf seinem Stuhl, hat allerdings die Augen ständig geschlossen.

Nun übernimmt die Staatsanwaltschaft und erkundigt sich, ob der Anschlag immer noch Gespräch in der Mannschaft sei, was der Zeuge bejaht.

Die Mannschaft habe etliche Monate gebraucht, um das Geschehene zu verkraften.

Späterhin fragt der Verteidiger Marc Bartra, ob er denn wüsste, aus welchem Glas die Fensterscheiben im Bus seien. Dieser sagt, er sei Fußballer und müsse nicht wissen, welches Glas im Bus verbaut sei.

Hiernach greift der Angeklagte zum Mikrofon und entschuldigt sich persönlich bei Marc Bartra, während dieser in die entgegengesetzte Richtung und die Entschuldigung nicht hören will. Damit endet seine Vernehmung nach einer halben Stunde.

Befragung des Unfallchirurgen

Der Spieler Pierre-Emerick Aubameyang fehlt heute, entschuldigt durch ein ärztliches Attest.

Als nächster Zeuge wird Unfallchirurg Dr. Ralf S. gehört, der Marc Bartra operiert hat. Er bestätigt, dass die Wunde durch einen Gegenstand verursacht worden ist.

Wohingegen die Verteidigung wissen möchte, ob der Handbruch nicht auch durch den Sturz auf den Bus-Fußboden hätte verursacht werden können – und das wird durch den Unfallarzt klar verneint – erkundigt sich die Staatsanwaltschaft, ob die Verletzung auch hätte tödlich sein können, wenn ein Metallstift beispielsweise den Kopf getroffen hätte. Dies wird klar bejaht.

Nach einer Verhandlungspause gibt der Verteidiger Carl H. eine Erklärung gemäß Paragraf 275 Strafprozessordnung ab, und beschuldigt darin den Zeugen und BKA-Beamten Timo S., eine Falschaussage getätigt zu haben. Er habe seinen Kontakt zur Staatsanwaltschaft nicht vollständig angegeben.

Abschließend wird ein weiterer BKA-Beamter befragt, Ronald S. Inhaltlich geht es um die Beschaffung und Zusammensetzung der Sprengvorrichtungen. Es wird genau beschrieben, an welchen Tagen welche Teile zu welchen Preisen – zum Beispiel Antennenschaltstufen, Basisempfangsmodule, Schimmelentferner und Metallgliederketten – gekauft worden sind.


Bildmotiv: Stellplatz des BVB-Bus und Tatort | Urheber des Bildes: Stefan Bisanz